Die Innenstädte aus ihrem Dornröschenschlaf wecken
Das Innenstadtsterben bringt viele Einzelhändler um den Schlaf. Leere Bänke und leere Gassen bedeuten leere Läden. Wenn höchstens der Flatterschlag der Tauben zu hören ist, weiß man: Es ist um die deutschen Innenstädte schlecht bestellt. Doch was braucht es, um dieses Schicksal zu verhindern?
Dem Ziel, die Metzinger Innenstadt attraktiv zu gestalten, hat sich die City-Initiative Metzingen verschrieben. Sie wurde 2019 gegründet und hat heute 55 Mitglieder. Ihr Vorsitzender ist Silvio Flemmig, der ein Optikergeschäft im Herzen Metzingens leitet. In diesem traf er sich kürzlich mit dem Landtagsabgeordneten Dr. Timm Kern, der bei der kommenden Landtagswahl 2026 im Wahlkreis Hechingen-Münsingen als Kandidat der FDP antreten wird. Bei einem Rundgang durch die Metzinger Innenstadt erklärte Silvio Flemmig seinem Gast, wo die Chancen und Herausforderungen für Metzingens lokalen Einzelhandel liegen.
Die Stadt und die Initiative haben dabei schon viele Projekte für die Innenstadtentwicklung angestoßen: Pinke Sitzplätze zieren die Straßenränder, und auch auf dem Spielplatz neben dem Rathaus gibt es Liegen zum Aufenthalt. Mit Jugendlichen sei man durch die Stadt gegangen und habe sich angehört, was man für junge Menschen verbessern kann. In Zukunft will die Initiative die Wege zwischen der Metzinger Innenstadt und dem überregional bekannten Outlet stärken. Eine „Willkommenskultur“ am Bahnhof soll die in Metzingen Ankommenden mit Schildern zu den Läden leiten.
Doch obwohl die Initiative mit viel Tatkraft und Gestaltungswillen vorangeht, steht sie vor vielen Hürden, erklärt Silvio Flemmig. Ein Beispiel seien zu lange Bearbeitungszeiten bei Förderanträgen. Außerdem stelle die Bürokratie eine große Hürde dar. „Es gibt mittlerweile so viele Vorschriften, die keinen erkennbaren Zweck haben“, meint Silvio Flemmig und erzählt von der Prüfung der Elektrogeräte in seinem Geschäft. Zwar sei es klar, dass deren Sicherheit gewährleistet werden müsse. Aber: „Die kleinteiligen Vorschriften erzeugen immense Mehrkosten für den Betrieb, was erst einmal erwirtschaftet werden muss“, so Silvio Flemmig. Aufgrund der zahlreichen Vorschriften und Abgaben seien auch immer weniger junge Menschen bereit, sich unternehmerisch zu betätigen.
Das liege auch an dem Bild, welches von Unternehmern gesellschaftlich oft gezeichnet werde, waren sich die Gesprächspartner einig. „Wer natürlich so tut, als wären alle Unternehmer nur auf Ausbeutung ihrer Mitarbeiter und auf Profitmaximierung aus, braucht sich nicht zu wundern, wenn es keine unternehmerische Initiative mehr gibt“, bekräftigte Dr. Timm Kern. Dabei sei klar: Wer seine Mitarbeiter schlecht behandle, könne als Unternehmer nicht dauerhaft erfolgreich sein. Doch ein allgemeines Misstrauen gegenüber dem Unternehmertum sorge dafür, dass zu kleinteilig reguliert und damit unternehmerische Initiative erstickt werde. „Unternehmer heißen doch Unternehmer, weil sie etwas unternehmen wollen. Sonst würden sie ja Unterlasser heißen“, so der Landtagsabgeordnete der FDP.
Für die Innenstädte spiele auch der Wohnungsmarkt eine wichtige Rolle, erklärte Silvio Flemmig beim weiteren Rundgang durch Metzingen: Die Mieten in der Stadt seien hoch. Es müsse Anreize geben, Leerstände zu füllen und neuen Wohnraum zu schaffen. Als Negativbeispiel gilt für Dr. Timm Kern die Tübinger Wohnungspolitik: „Man kann nicht wie in Tübingen eine Käseglocke über die Stadt ziehen und sich dann über hohe Preise wundern. Es muss auch möglich sein, auf freiem Feld Wohnungen zu bauen.“
Wieder bei Silvio Flemmigs Optikergeschäft angekommen, resümierte Dr. Timm Kern: „Politik muss wieder Verlässlichkeit in ihren Vorgaben schaffen. Wir brauchen Vertrauen in die Bürger und Unternehmer.“
Ähnlich sieht es Silvio Flemmig: „Nur, wenn man die Entbürokratisierung ernst nimmt, überflüssige Vorschriften abschafft und die Dienstwege zwischen Geschäften und der Verwaltung verkürzt, lässt sich etwas ändern“. Vielleicht wird dann in manchen deutschen Innenstädten mehr als nur die Tauben zu hören sein. Die City-Initiative Metzingen jedenfalls geht mit gutem Beispiel voran.