Kleinere Klassen, bessere Bezahlung – und mehr Männer

Zwei Schulen und ein Kindergarten, idyllisch gelegen zwischen den Münsinger Ortsteilen Buttenhausen und Hundersingen: Das ist das Bildungszentrum Lautertal. Die dort ansässige Grundschule bekam Besuch aus dem Landtag. Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Dr. Timm Kern, der zur Landtagswahl 2026 im Wahlkreis Hechingen-Münsingen antreten wird, stattete dem Bildungszentrum einen Besuch ab.
Im Gespräch mit dem Schulleiter der Grundschule, Arnd Brändle, kamen die Herausforderungen von Grundschulen in der aktuellen Bildungslandschaft zur Sprache. Der FDP-Abgeordnete Dr. Timm Kern betonte dabei, dass der Lehrkräftemangel das größte Problem sei: „Ausgerechnet an den Grundschulen und den Sonderpädagogischen Zentren, den SBBZ, ist der Mangel am Größten. Dabei sind das die Schularten, in denen individuelle Förderung am wichtigsten wäre. Allerdings braucht man sich in Baden-Württemberg über den Mangel nicht zu wundern. Schließlich ist man eines der letzten Bundesländer, welches Grundschullehrkräfte immer noch nach der niedrigeren Besoldungsstufe A12 statt nach A13 bezahlt.“
Schulleiter Arnd Brändle berichtete dem Gast aus dem Landtag, dass die aktuell 77 Schülerinnen und Schüler von sechs Lehrerinnen unterrichtet werden. Das sei grundsätzlich ausreichend, aber: „Wir hoffen, dass niemand krank wird oder anderweitig ausfällt. Es gibt einfach keine ausreichende Reserve an Lehrkräften.“ Vor allem gebe es zu wenige Männer im Grundschulbereich, was negative Auswirkungen habe: „Es wäre wichtig, dass die Kinder verschiedene Vorbilder haben können. Aber so lange der Verdienst nicht so gut ist, dass er eine Familiengründung ermöglicht, wird sich am Geschlechterverhältnis wenig ändern“, so Arnd Brändle.
„Was sind Ihre drängendsten Wünsche an die Landespolitik?“, wollte Dr. Timm Kern vom Schulleiter wissen. Dieser zählte einige Bereiche auf, in denen sich aus seiner Sicht Dinge verbessern müssten: „Zunächst müssen wir die Besoldung der Grundschullehrkräfte anpassen. Dann brauchen wir mehr Lehrerinnen und Lehrer und auch mehr Schulsozialarbeit, die auch schon bei uns im Grundschulbereich immer wichtiger wird. Auch das Ziel kleinerer Klassen sollten wir nicht aus den Augen verlieren.“ Dr. Timm Kern kritisierte hier die Schwerpunktsetzung der Bildungspolitik in Baden-Württemberg nach 2011: „Vor dem Regierungswechsel zu den grün-geführten Landesregierungen ab 2011 war es überparteilicher Konsens, dass der Klassenteiler von 32 auf 28 gesenkt werden muss. Nach 2011 wurde dieses Ziel plötzlich aufgegeben und behauptet, die Klassengröße sei gar nicht so relevant. Dabei macht es natürlich einen Unterschied – übrigens auch für die Lehrergesundheit.“
Auch die Lehrerin Melanie Paaß hatte einige Wünsche, die sie dem FDP-Landtagsabgeordneten Dr. Timm Kern mit auf den Weg gab. Sie ist Fachlehrerin für musisch-künstlerische Fächer. „Als Fachlehrerin verdiene ich weniger, habe aber ein höheres Stundendeputat und kaum Aufstiegsmöglichkeiten. Dabei habe ich die gleiche Verantwortung wie alle anderen Kollegen“, erklärte Melanie Paaß. Dr. Timm Kern war sich der schwierigen Situation der Fachlehrkräfte bewusst: „Wenn ich Menschen keine Perspektive aufzeige, frustriere ich sie natürlich. Es braucht unkomplizierte Fortbildungsangebote und Aufstiegsmöglichkeiten für Fachlehrkräfte – denn wir brauchen sie doch dringend!“
Die Gesprächspartner waren sich einig: Der Satz „auf den Anfang kommt es an“ dürfe keine Floskel bleiben, sondern müsse mit Leben gefüllt werden, indem Grundschulen stärkere politische Unterstützung erfahren. Dr. Timm Kern sagte daher zu, bald wieder an das Bildungszentrum Lautertal zu kommen - und dann auch das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum zu besuchen.