Landtagswahl Hechingen-Münsingen: FDP startet in den Wahlkampf

Timm Kern für Hechingen-Münsingen

Rudi Fischer aus Metzingen wird im kommenden Jahr nicht mehr zur Landtagswahl antreten. Seinen Wahlkreis übernimmt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher der FDP im Landtag, Timm Kern.

Der FDP-Landtagsabgeordnete Rudi Fischer (71) aus Metzingen ist auf der Zielgeraden seiner politischen Karriere. Der im Juli 2019 für den ausscheidenden Andreas Glück (er wechselte ins Europaparlament) nachgerückte Maschinenbau-Techniker wird nicht erneut zur Wahl (im März 2026) antreten. Den Wahlkreis Hechingen-Münsingen übernimmt sein Fraktionskollege Dr. Timm Kern (53), der noch für den Wahlkreis Freudenstadt verantwortlich ist. Kern ist seit 2011 Mitglied des Landtags, stellvertretender Vorsitzender und bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion.

Bildungspolitisch nur noch Mittelmaß

Vor seiner Zeit als Landtagsabgeordneter war er Gymnasiallehrer (katholische Religion, Geschichte, Gemeinschaftskunde und Wirtschaft). Er spricht gern über Bildungspolitik. Weil Lehrer immer sein Traumberuf war und weil die FDP trotz aller Krisen, die sie derzeit auf Bundesebene und zuletzt auch bei einigen Landtagswahlen und der Hamburger Bürgerschaftswahl durchlebt, bildungspolitisch im Land Akzente setzen kann. Sie möchte weg vom zweiklassigen Bildungssystem, wie es die Grünen seit Jahren etablieren wollen. Kern dazu: „Sämtliche Evaluationen wie Vera, Iglu, Pisa oder Ergebnisse der Bertelsmann-Stiftung zeigen, dass Qualität der Bildung in Baden-Württemberg nur eine Richtung hat: abwärts.“

Diesen Trend möchte die FDP umkehren. Indem sie Werk-Realschulen eben nicht abschaffen möchte, ebenso wenig wie Sonderschulen (im heutigen Sprachgebrauch SBBZ genannt, sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren). Die „Ursünde grüner Bildungspolitik“, wie es Timm Kern ausdrückt, geht ins Jahr 2011 zurück und ist seiner Meinung nach verbunden mit der Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung.

Die gibt es jetzt zwar wieder, aber nur für Gymnasien, nicht aber für Realschulen, für deren Erhalt sich die FDP ebenfalls vehement einsetzt. Das von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) favorisierte Zwei-Säulen-Modell, wonach es neben Gemeinschaftsschulen nur noch Gymnasien geben soll, lehnt die FDP ab: „Das halten wir für falsch“, sagt Kern und führt eine Verarmung des Bildungsangebots ins Feld: „Wir wollen nicht die eine Schule für alle, sondern die passende Schule für jedes Kind.“ Konkret: Sonder- und Förderschulen abzuschaffen, wäre aus Sicht der FDP verheerend, Werk-Realschulen halten die Liberalen für den ländlichen Raum und fürs Handwerk wichtig, um den Erhalt der Realschulen kämpfen sie, das Zwei-Säulen-Modell lehnen sie ab, von bildungspolitischen Vereinheitlichungstendenzen „halten wir gar nichts“, so Kern.

Die Gemeinschaftsschule als Ergänzung zum gegliederten Bildungswesen sei sinnvoll, aber nicht als Ersatz, und grundsätzlich möchte die FDP in allen Schularten die Durchlässigkeit sicherstellen. Der Wahlkampf also hat begonnen. Das zeigt auch Kerns Rhetorik. Weil er den Grünen ideologiegetriebene Bildungspolitik vorwirft: „Wenn das Bildungssystem seit 2011 besser geworden wäre, würde ich sagen, ok, alles gut. Aber inzwischen sind wir nicht mal mehr Mittelmaß.“ Das könne sich ein Bundesland wie Baden-Württemberg nicht leisten: „Unser Rohstoff liegt zwischen unseren Ohren.“ Bildung, Wissen und Können, so Kern, sorge für Innovation und qualitativ hochwertige Produkte, mithin für Wohlstand.