Musik- und Tanzpädagogik: Das Kulturhaus in Münsingen setzt Maßstäbe
Von musikalischer Sensibilisierung im Kleinkindalter bis hin zu musikalisch-bewegter Aktivierung von Senioren – die berufsbegleitenden Ausbildungen der Akademie für Musikpädagogische Ausbildung Baden-Württemberg bieten eine enorme Bandbreite an beruflichen Möglichkeiten für angehende musikpädagogische Fachkräfte.
Im Münsinger Kulturhaus ist zum einen die Musik-, Tanz- und Kunstschule KULTUR33 beheimatet, weiter ist dort aber auch die Akademie für Musikpädagogische Ausbildung Baden-Württemberg zu finden, deren Aus- und Weiterbildungsangebote äußerst breit gefächert und schlicht beeindruckend sind. Beim Austausch zwischen dem Landtagsabgeordneten Dr. Timm Kern (FDP) und dem Leiter der Musikakademie, Dr. Dietmar Leichtle, ging es um die Zukunft der musikalischen Bildung.
Die Akademie für Musikpädagogische Ausbildung Baden-Württemberg wurde im Jahr 2012 gegründet und hat sich seither zu einem deutschlandweit einmaligen Erfolgsmodell entwickelt. Die Ausbildungsteilnehmer unterrichten im Anschluss an die Ausbildung je nach gewähltem musikpädagogischen Schwerpunk die gesamte Lebensspanne: „Das beginnt im Baby- und Kleinkindalter und geht bis zu Seniorenunterrichten“, erklärte Dr. Dietmar Leichtle seinem Gast aus dem Landtag.
Wichtig sei, so Dr. Dietmar Leichtle, dass bereits junge Menschen auch genug Zeit für diese Art der sinnvollen Freizeitgestaltung bleibe: „Zu großen Teilen sind meine Ausbildungsteilnehmer frühere Realschüler, da diese mehr Zeit für ihre Hobbies haben. Bei den Gymnasiasten ist es zumindest unter den Bedingungen von G8 hingegen deutlich schwerer, ein zeitintensives Hobby zu pflegen. Der Mehrwert von sinnvoller Freizeitgestaltung ist aber durch nichts zu ersetzen.“ Dr. Timm Kern, der auch bildungspolitischer Sprecher seiner FDP-Fraktion im Landtag ist, war sich diesem Problem bewusst: „Genau deshalb haben wir als FDP-Opposition im Landtag auch so sehr gegen den hartnäckigen Widerstand der Grünen für die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium gekämpft – es muss für junge Menschen Zeit für Ehrenamt und Persönlichkeitsentwicklung bleiben“.
„Gemeinsames Miteinander, egal ob bei Musik, Tanz, Sport oder der Feuerwehr. Hier reifen die jungen Menschen in sinnvollen Netzwerken zu gemeinschaftsorientierten Persönlichkeiten“, erklärte Dr. Dietmar Leichtle. Und hier gehöre übrigens auch das sich mit anderen vergleichen und messen mit dazu: „Wettbewerb hat in unserer Gesellschaft teilweise einen immer schlechteren Ruf bekommen, weil einige nicht mehr wollen, dass es Gewinner und Verlierer gibt. Gerade junge Menschen müssen jedoch als Personen wachsen und sich mit anderen messen können – da gehört der Umgang mit Niederlagen auch dazu“, legte Dr. Dietmar Leichtle seine Sicht der Dinge dar. Der FDP-Abgeordnete Dr. Timm Kern stimmte dieser Sicht vollumfänglich zu: „Dasselbe gilt ja auch in der Schule, wo manche Abgeordnete im Landtag am liebsten Noten komplett abschaffen würden. Aber wo soll man sonst lernen, Hürden zu meistern, wenn nicht im geschützten und begleiteten Raum der Schule?“
Dabei sei es wichtig, dass nicht nur Deutsch und Mathematik in der Bildung eine große Rolle spielen, sondern auch die künstlerischen Fächer wie Musik, Tanz und Bildende Kunst sowie der Sport und die aktive Bewegung im Fokus stehen. „Jedes Kind hat Talente, und gerade mit diesen Fächern schafft man es, diese Talente zu fördern“, zeigte sich Dr. Timm Kern überzeugt. Auch für das Selbstbewusstsein junger Menschen seien solche Erfolgserlebnisse entscheidend, ergänzte Dr. Dietmar Leichtle, der neben seiner Tätigkeit in der Musikakademie auch an der Gustav-Mesmer-Realschule in Münsingen unterrichtet.
Ein großes Standbein der Musikakademie in Münsingen ist die berufsbegleitende Ausbildung zu einer musikpädagogischen Fachkraft. Dabei kämen die Teilnehmer der Kurse aus den unterschiedlichsten Bereichen, erzählte Dr. Dietmar Leichtle: „Insgesamt haben wir bisher 852 Personen ausgebildet. Da war von der Adidas-Managerin über die Finanzbeamtin bis zur Hubschrauberpilotin alles dabei. Wir haben keinerlei Scheuklappen, was den Erstberuf betrifft.“ Dieses Angebot sei einzigartig in ganz Deutschland. Die allermeisten Absolventen wechselten nach ihrem Abschluss an eine Musikschule.
Der FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Timm Kern zeigte sich sehr beeindruckt von den vielfältigen Angeboten in Münsingen: „Diese beiden Einrichtungen unter dem Dach des Kulturhauses in Münsingen sind ein herausragendes Beispiel für eine ganzheitliche Bildungsarbeit, die weit über den klassischen Schulunterricht hinausgeht. Solche umfassenden Bildungsansätze müssen weiter gefördert werden, denn sie leisten einen entscheidenden Beitrag zur individuellen Entfaltung und zur kulturellen Vielfalt unserer Gesellschaft.“