Schließung von Notfallpraxen

Schließung von Notfallpraxen - Dr. Timm Kern MdL
Ob Land oder Stadt: Gesundheitsversorgung überall sichern!

Aktuell werden in Baden-Württemberg nach und nach Notfallpraxen geschlossen. Davon betroffen sind rund 90.000 Patientinnen und Patienten. Aus den Schließungsplänen der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg geht hervor, dass zu den betroffenen Standorten mit Albstadt und Münsingen auch der Zollernalbkreis und der Kreis Reutlingen zählen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Sozial- und Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) stehen hinter der Reform.

Die FDP in Baden-Württemberg äußert sich kritisch zu den geplanten Schließungen von Notfallpraxen und sieht darin potenzielle Risiken für die medizinische Versorgung, insbesondere im ländlichen Raum:

„Die Landesregierung darf den ländlichen Raum durch die Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes nicht benachteiligen. Der ländliche Raum muss wieder im Blickfeld der Landespolitik sein.“

Die FDP sieht vorrangig folgende Gefahren mit der flächenhaften Schließung der Notfallpraxen verbunden:

  1. Sollten die Notfallpraxen wegfallen, wird mit einer möglichen Überlastung der Notaufnahmen in Krankenhäusern gerechnet.
  2. Die Schließungen werden zu längeren Fahrtwegen für Patienten führen, besonders in ländlichen Regionen. (bspw. in Münsingen)
  3. Die FDP fordert belastbare Analysen, insbesondere für den ländlichen Raum, um die Auswirkungen der Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes auf die Patienten zu evaluieren.
  4. Die FDP appelliert an den Bundesarbeitsminister, den ärztlichen Bereitschaftsdienst von der Sozialversicherungspflicht zu befreien, ähnlich wie beim notärztlichen Rettungsdienst.

 

Ein Blick auf das Beispiel Münsingen macht die Problemlage deutlich:

Zahlreiche Münsingerinnen und Münsinger machen sich große Sorgen um ihre Gesundheitsversorgung. Denn bei Schließung der Notfallpraxis vor Ort müssten sie in Zukunft nach Reutlingen oder Ehingen ausweichen. Aber dazu müssen sie die Steige rauf und runter. Das ist gerade im Winter bei glatten Straßen eine Herausforderung – wenn die Straßen überhaupt frei sind. Schneefall, Felssturz oder Erdrutsch machen die Straßen gerne auch mal unpassierbar. Das kann weite Umwege zur Folge haben. Im Sommer kommt auch noch der Wochenendverkehr von Touristen hinzu, der zu Staus führt.

Und was machen die Menschen, die nicht (mehr) mit dem Auto mobil sind? Gerade für ältere Menschen ist es oft nicht möglich, mal eben nach Reutlingen zu fahren. So berichtet eine Münsingerin, die viele Jahre ihren Mann gepflegt hat, dass mal eben einen Krankentransport zu ordern eine Glückssache sei und Fahrdienste oft ausgebucht gewesen seien.

Eberhard Rapp, Hausarzt in Münsingen und Initiator einer Bürgerinitiative zum Erhalt der Notfallpraxis, kann die Schließung nicht nachvollziehen: Er selbst und genügend andere Ärztinnen und Ärzte aus der Umgebung leisten dort Bereitschaftsdienste. Bei einer Schließung befürchtet er, dass die Notaufnahme der Albklinik schnell überlastet sein werde. Dennoch soll die Notfallpraxis in Münsingen am 30. September diesen Jahres geschlossen werden.

Fazit: Die FDP sieht die geplanten Schließungen als alarmierendes Risiko für die Qualität und Erreichbarkeit der medizinischen Notfallversorgung, besonders in den ländlichen Gebieten Baden-Württembergs.

 

Was ist zu tun?

Ich konzentriere mich zusammen mit meiner Fraktion, der FDP/DVP, darauf, die geplanten Schließungen kritisch zu hinterfragen. Das sind meine Hauptpunkte:

  1. Die Einrichtung eines Notfallgipfels, bei dem alle Akteure an einen Tisch geholt werden. Dadurch werden sich bessere und individuellere Lösungen finden als alle 18 Standorte zu schließen. Deshalb fordern wir, erst einmal die Schließungspläne zurückzustellen. Neben einer transparenten Landeskrankenhausplanung ist die Vernetzung mit dem ambulanten Sektor und der Notfallversorgung absolut geboten.
  2. Ich fordere belastbare Analysen, insbesondere für den ländlichen Raum, um die Folgen der Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes auf die Patienten zu bewerten.
  3. Ich warne vor möglichen negativen Konsequenzen wie längeren Fahrtwegen für Patienten und einer potenziellen Überlastung der Notaufnahmen in Krankenhäusern.
  4. Als einen möglichen Lösungsansatz schlage ich vor, den ärztlichen Bereitschaftsdienst von der Sozialversicherungspflicht zu befreien, ähnlich wie beim notärztlichen Rettungsdienst.
  5. Ich setze mich dafür ein, dass die Bürgermeister und lokalen Verwaltungen stärker in den Entscheidungsprozess eingebunden werden.
  6. Telemedizinische Angebote, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der ärztlichen Versorgung, Modelle wie Docdirekt, mit dem eine sichere und persönliche Online-Sprechstunde mit erfahrenen Ärztinnen und Ärzten wahrgenommen werden kann oder der Mehrwert von Digitalisierung ist in der Regelversorgung bisher viel zu wenig umgesetzt. Eine Förderung dieser Strukturen ist seit Jahren eine unserer Forderungen, die die Landesregierung viel zu schleppend angegangen ist.

 

Zusammen mit der FDP/DVP-Fraktion in Baden-Württemberg bin ich tief besorgt, vor allem mit Blick auf eine gute wohnortnahe Gesundheitsversorgung. Der ländliche Raum darf nicht weiter abgehängt werden!
Ich kritisiere die geplanten Schließungen und fordere den sofortigen Stopp der Schließungen und eine gründliche Überprüfung der Situation mit allen Beteiligten durch Einberufung eines Notfallgipfels.

 

 

 

Hinweis: Ärztlicher Notdienst, Notfallpraxis, Notaufnahme - wann sollte ich wohin?

Wer außerhalb der regulären Sprechzeiten krank ist und keinen lebensbedrohlichen Notfall erleidet, ruft am besten beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst an unter der 116117. Dort werden Ärztinnen und Ärzte in der Nähe ermittelt (Notfallpraxis) und bei Bedarf zu einem nach Hause geschickt (Ärztlicher Notdienst).

Nur bei einem akuten Notfall ist die Notaufnahme in Krankenhäusern die erste Anlaufstelle, um eine Notfall-Erstbehandlung zu erhalten. Sie ist durchgehend geöffnet.